Partizipien sind Verbformen, die sowohl verbale als auch adjektivische Eigenschaften aufweisen. In der deutschen Sprache sind das Partizip I (Partizip Präsens) und das Partizip II (Partizip Perfekt) zu unterscheiden.Â
Das Partizip I ist eine Verbform, die die syntaktische Funktion eines Adjektivs einnehmen kann. In diesem Fall steht das Partizip vor einem Substantiv und muss wie ein Adjektiv flektiert werden.
Es wird aus der Infintivform und der Endung -d gebildet.
man verwendet das Partizip 1, um eine andauernde Handlung bzw. Gleichzeitigkeit auszudrücken.
Beispiele:
Wenn das Partizip I mit zu gebraucht wird, spricht man von dem sog. Gerundiv. Mit dieser Form kann eine Notwendigkeit (1,2) oder Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit (3) ausgedrückt werden. Diese Partizipialkonstruktion hat eine passivische Bedeutung.Â
Beispiele:
Das Partizip II wird einerseits zur Bildung der zusammengesetzten Zeitformen (Perfekt, Plusquamperfekt) und des Passivs gebraucht. Andererseits kann es auch in adjektivischer Funktion gebraucht werden. In dieser Funktion kann es sowohl attributiv als auch prädikativ stehen. Als adjektivische Attribute können sowohl transitive als auch einige intransitive Verben (nur die Verben, die das Perfekt mit „sein“ bilden“!) gebraucht werden.Â
Das Partizip II wird mit dem Präfix ge-, dem Verbstamm und der Endung -t oder -en gebildet.
Schwache Verben (regelmäßige Verben) bilden das Partizip II mit ge-, dem Verbstamm und der Endung -t.
Beispiele:Â
kochen – gekocht
machen – gemacht
spielen – gespielt
Starke Verben (unregelmäßige Verben) bilden es mit dem Präfix ge-, dem Verbstamm und der Endung -en.
Beispiele:Â
finden – gefunden
helfen – geholfen
singen – gesungen
Gemischte Verben bilden es mit dem Präfix ge-, dem Verbstamm und der Endung -t.
Beispiele:Â
bringen – gebracht
denken – gedacht
kennen – gekannt
Man verwendet das Partizip 2, um eine abgeschlossene Handlung auszudrücken.Â
Beispiele:
Transitive Verben haben eine passivische Bedeutung.Â
Beispiele:Â
das gemalte Bild – das Bild, das gemalt wurde
die bezahlte Rechnung – die Rechnung, die bezahlt wurde
der unterschriebene Vertrag – der Vertrag, der unterschrieben wurde
Intransitive Verben, die das Perfekt mit „sein“ bilden, haben eine aktivische Bedeutung. Zu diesen Verben gehören z.B. ankommen, einschlafen, sinken, steigen, verblühen, verbrennen, wachsen.Â
Beispiele:
das gewachsene Kind – das Kind, das gewachsen ist
der eingeschlafene Student – der Student, der eingeschlafen ist
die verblühte Pflanze – die Pflanze, die verblüht ist
Vorsicht: Intransitive Verben, die das Perfekt mit „haben“ bilden, können nicht als attributive Partizipien gebraucht werden.
Beispiele:
*der geschriebene Student
*das gelachte Kind
Einige Verben haben sich semantisch soweit von der ursprünglichen Bedeutung des Verbs entfernt, dass sie als selbstständige Adjektive eingeordnet werden. Sehen Sie sich zunächst die folgenden Beispiele an.Â
Beispiele:Â
1) Der neue Kinofilm ist sehr spannend.
2) Der spannende Kinofilm
3) Das spielende Kind.
4) Spielend einfach Deutsch lernen.
Sie haben bestimmt sofort alle Partizipien erkannt. Wenn Sie versuchen, die Partizipien zu komparieren bzw. zu steigern, werden Sie merken, dass das nicht immer funktioniert:
Beispiel:
der spannendere Film vs. *das spielendere Kind
Das Beispiel zeigt, dass „spannend“ komparierbar ist, „spielend“ hingegen jedoch nicht. Dieser Test zeigt, dass spannend bereits ein selbstständiges Adjektiv geworden ist. „Spielend“ gehört weiterhin zur Wortart Verb.Â