Partizipialattribute können entweder links (Linksattribute) oder rechts (Rechtsattribute) von ihrem Bezugswort stehen und sind nur ein Teil eines Satzgliedes. Das Attribut selbst hat somit keine Satzgliedfunktion. Wichtig ist, dass Partizipialattribut entweder im Partizip Präsens oder im Partizip Perfekt stehen und diese aktivische sowie passivische Bedeutungen haben.
Das Partizip I (Partizip Präsens) wird von den Infinitiv eines Verbs abgeleitet. Um das Partizip I zu bilden, muss die Endung -d an das Verb angehängt werden. Diese Form steht häufig zwischen einem Artikelwort und einem Nomen und nimmt dann die Funktion eines Adjektivs ein. Zudem wird es wie ein Adjektiv dekliniert. Bei einigen Partizipien ist ein verbaler Ursprung nicht mehr erkennbar, sie stehen dann meist als lexikalisierte Adjektive in einem Wörterbuch.
Beispielsatz | Bedeutung | Relativsatz |
1) Der schlafende Student schnarcht ganz laut. | aktiv, gleichzeitig | Der Student, der schläft, schnarcht ganz laut. |
2) Der in der Vorlesung schlafende und dabei schnarchende Student gehört zu den besten seines Jahrgangs. | aktiv, gleichzeitig | Der Student, der in der Vorlesung schläft und schnarcht, gehört zu den besten seines Jahrgangs. |
3) Der sich betrinkende Student feiert seine bestandene Prüfung. | aktiv, gleichzeitig | Der Student, der sich betrinkt, feiert seine bestandene Prüfung. |
4) Der zu bestehenden Abschlussprüfung sieht er gelassen entgegen. | Modales Partizip (Gerundiv) Passiv mit Modalfaktor | Die Abschlussprüfung, die bestanden werden muss, sieht er gelassen entgegen. |
oder mit sein + zu + Infinitiv | Die Abschlussprüfung, die zu bestehen ist, sieht er gelassen entgegen. |
În den Sätzen 1) und 2) soll der Unterschied zwischen schlafend als einfachem Partizip (1) sowie erweitertem Partizip (2) verdeutlicht werden. Bei reflexiven Verben steht das Reflexivpronomen vor dem Partizip (3). Die Verbindung von zu und dem Partizip I bezeichnet man als modales Partizip oder Gerundiv. Das modale Partizip kann nur mit transitiven Verben gebildet werden. Wichtig ist hierbei, dass die Konstruktion eine passivische Bedeutung mit Modalfaktor haben kann. Bei der Umformung eines Partizipialattributes in einen Relativsatz wird das modale Partizip durch einen Passivsatz mit einem Modalverb oder sein + zu + Infinitiv ersetzt (4).
Das Partizip I kann nicht mit den Hilfsverben sein und haben bilden. Des Weiteren können auch Modalverben kein Partizip I bilden.
Das Partizip II (Partizip Perfekt) bildet man mit ge- und den Endungen -t (bei schwachen und gemischten Verben) und -en (bei starken Verben). Bei Verben auf -ieren sowie bei untrennbaren Verben bzw. Präfixverben entfällt die Vorsilbe ge- (z.B. interessiert, benommen). In adjektivischer Verwendung verhalten sich Partizipien wie Adjektive und erhalten Adjektivendungen.
Beispielsatz | Bedeutung | Relativsatz |
5) Der verwarnte Student gehört zu den besten seines Jahrgangs. | abgeschlossen, passiv, vorzeitig (Vorgangspassiv) gleichzeitig (Zustandspassiv) | Der Student, der verwarnt wurde / verwarnt ist, gehört zu den besten seines Jahrgangs. |
6) Der in der Vorlesung verwarnte Student gehört zu den besten seines Jahrgangs. | abgeschlossen, passiv, vorzeitig (Vorgangspassiv) gleichzeitig (Zustandspassiv) | Der Student, der in der Vorlesung verwarnt wurde, gehört zu den besten seines Jahrgangs. |
7) Der gerade aufgewachte Student sieht sichtlich übermüdet aus. | abgeschlossen, aktiv, vorzeitig | Der Student, der gerade aufgewacht ist, sieht sichtlich ermüdet aus. |
8) Der betrunkene Student verließ den Vorlesungssaal. | Reflexivpronomen entfällt abgeschlossen, vorzeitig | Der Student, der betrunken ist, verließ den Vorlesungssaal. |
9) Die interessierten Studenten/-innen sorgen für einen interaktiven Kurs. | Reflexivpronomen entfällt andauernd, gleichzeitig | Die Studenten/-innen, die interessiert sind, sorgen für einen interaktiven Kurs. |
10) Nach der bestandenen Abschlussprüfung gab es für die Studierenden kein Halten mehr. | abgeschlossen, passiv, vorzeitig (Vorgangspassiv) gleichzeitig (Zustandspassiv) | Nach der Abschlussprüfung, die bestanden wurde, gab es für die Studierenden kein Halten mehr. |
11) Nicht eingehaltene Rückmeldefristen können zur Exmatrikulation führen. | passiv, gleichzeitig | Rückmeldefristen, die nicht eingehalten werden, können zur Exmatrikulation führen. |
Transitive Verben (Verben mit Akkusativergänzung) bezeichnen als Partizip II eine abgeschlossene Handlung / einen abgeschlossenen Zustand und nehmen meist auf etwas Vorzeitiges Bezug. In den Sätzen (5) und (6) ist ein transitives Verb als einfaches sowie erweitertes Partizipialattribut zu sehen. Intransitive Verben, die das Perfekt mit sein bilden, können in attributiver Verwendung (7) auftreten (Intransitive Verben, die das Perfekt mit haben bilden, können nicht attributiv verwendet werden!). In dieser Verwendung hat das Partizipialattribut eine aktive Bedeutung und bezieht sich auf eine abgeschlossene Handlung / einen abgeschlossenen Zustand. Bei reflexiven Verben ist zu beachten, dass das Reflexivpronomen entfällt (8, 9). In Satz (10) gibt es ein transitives Verb im Partizip Perfekt. Auch dieses bezieht sich wie in den Sätzen (5) und (6) auf einen abgeschlossenen Vorgang. Schließlich zeigt Satz (11) einen Passivsatz, der einen gleichzeitigen Zeitverlauf bezeichnet. Dies ist vor allem in Formulierungen zu Regeln und Gesetzen der Fall.
Intransitive Verben, die das Perfekt mit haben bilden, können als Partizip Perfekt nicht attributiv gebraucht werden. Außerdem können nur solche intransitive Verben, die das Perfekt mit sein bilden, als Partizip Perfekt attributiv gebraucht werden, die ein Anfang und Ende eines Vorgangs beschreiben: der angekommene Bus, das eingetroffene Paket. Manchmal ist auch eine Zielangabe obligatorisch: Der in den Garten gerannte Hund. (nicht möglich: *der gerannte Hund)